Barcamp Lübeck

Am 25. und 26. November war ich auf dem Barcamp Lübeck 2016. Es war erst mein drittes Barcamp, nachdem ich dieses und letztes Jahr auf dem Barcamp Hamburg war. Mit jedem Barcamp verstehe ich das Prinzip besser: wie mir ein anderer Teilnehmer erklärt hat, wird die Grenze zwischen Teilnehmer und Vortragende weitestgehend aufgelöst. Dieses Prinzip ist mir äußerst sympathisch!

Was ist ein Barcamp?

Für die, die es noch nicht wissen: ein Barcamp ist eine Tagung ohne vordefiniertes Programm oder Redner. Der Session-Plan wird durch die Besucher bestimmt, in dem jede/r die Möglichkeit hat, am Anfang auf die Bühne eine Session-Idee kurz vorzustellen und anhand der Rückmeldungen des Publikums einzuschätzen, wie groß der Raum sein soll, in dem es stattfindet. (In Hamburg und Lübeck kam es nicht vor, dass es zu viele Sessions für den verfügbaren Platz gab.)

Sessions

Gleich am Anfang des ersten Tages habe ich eine Session vorgeschlagen und habe gar nicht damit gerechnet, dass es auf großes Interesse stoßen würde. Dabei hatte ich Unrecht und habe deshalb für meine Brexit-Session mit Hintergründen zu der Entscheidung 52% der Briten, die EU zu verlassen, den großen Saal genommen. Dafür musste ich die ersten 1-2 Sessions aussitzen, um auf die Schnelle ein paar Folien zu schreiben. (Eine kurze Zusammenfassung meiner Session hat Ralf Hendel bereits geschrieben.) Aus meiner Sicht ist es gut gelaufen und ich hatte das Gefühl, dass das Publikum wirklich interessiert war und durch den Vortrag und die Fragen etwas gelernt hat.

Was ist Drupal?

Ralf Hendels Session "Was ist Drupal?"

Ralf präsentiert.

Die erste Session, die ich besuchte, war „Was ist Drupal?“ mit Ralf Hendel von comm-press. Ich weiss natürlich, was Drupal ist aber war einfach neugierig, was Ralf (mein ehemaliger Chef bei comm-press) erzählt und war gespannt auf die Diskussion. Darauf kommt es ja bei einem Barcamp an. Die Diskussion nach der Vorführung drehte sich eher um die Frage „warum Drupal?“ – man kann ziemich alles mit Drupal machen, aber war ist sein USP?

Gerade seit Drupal 8, finde ich, hat Drupal sich noch mehr von WordPress abgesetzt wenn es um komplexere Projekte geht. Wenn du einen Blog willst, kannst du gleich WordPress nehmen – such dir ein Theme aus, installieren, etwas Sitebuilding und fertig. (Ok, so einfach ist es nicht aber mit Drupal hast du viel mehr Arbeit.) Irgendwann kommt aber WordPress an seine Grenzen, wenn du komplexe Workflows abbilden musst, Berechtigungen feinmaschig definieren möchtest, oder das Backend zuschneiden möchtest. Kurz gesagt: social publishing.

Digitale Agenda SH

Thomas Losse-Müller beim Barcamp Lübeck 2016

Thomas Losse-Müller hat viel auf dem Zettel

Hier hat der Chef der Senatskanzlei Schleswig-Holsteins Thomas Losse-Müller über die digital agenda für Schleswig-Holstein gesprochen. Es gab eine kleine Abweichung von dem Barcamp-Prinzip indem die Session bereits festgelegt war. Das kann man der Senatskanzlei nicht übel nehmen: als Sponsor hat sie das Barcamp überhaupt ermöglicht und es ist bereits ziemlich fortschrittlich von der Verwaltung, auf die „digitale Community“ (mir fällt keinen besseren Begriff ein) zuzugehen. Die Bandbreite an Themen war sehr hoch – von Open Data bis Verlegeung von Glasfaserkabeln über Medienkompetenz. Ein paar interessante Wissens-Nuggets waren dabei: z.B. dass es Ländersache ist, für Medienvielfalt zu sorgen (deshalb kommt SpiegelTV bei RTL – wobei da muss ich sagen, SpiegelTV kommt mir ziemlich RTLig vor). Thomas Losse-Müller hat immer wieder interessante Perspektiven auf seine Arbeit aufgezeigt: beispielsweise, dass das Problem heute nicht eine fehlende Vielfalt an Medienangebote ist, sondern wir sind überwältigt mit allen möglichen Nachrichten einschließlich Fake-News.

Um das Thema Open Data ist die Diskussion gefühlt da, wo ich in Hamburg vor ca. 3 Jahren ausgestiegen bin. Open Data kann es nur geben, wenn die Daten intern verfügbar sind. Um Daten so aufzubereiten, dass sie maschinenlesbar sind muss Geld in die Hand genommen werden. Oder fehlende Einnahmequellen müssen ersetzt werden, wie bei den Geodaten. Da fangen Streitereien zwischen Abteilungen an und Thomas kann es sich nicht leisten, wenn die Rechnung bei ihm landet. Das würde (aus dem Kopf jetzt) ein Drittel von seinem Jahresbudget von 150 Mio. € kosten.

Brexit

Und danach kam meine Session zum Thema Brexit. Hier habe ich ein paar Hintergrundinfos angeboten, nämlich die Geschichte von Großbritanniens Beziehung zur EU seit dem 2. Weltkrieg. Danach waren viele Fragen und das Feedback, das ich erhalten habe, war dass es tatsächlich spannend war, ein paar tiefergründige Infos zu erfahren und Zusammenhänge, die den Teilnehmern vorher nicht klar waren. Vielleicht schreibe ich bei Gelegenheit einen Beitrag zum Thema.

Day 2

Am zweiten Tag war der Ablauf gleich wie am ersten. Session-Vorschläge und dann ein Tag voller spannende Sessions.

Snapchat

Heute hatte ich auch eine Idee für eine Session und nämlich zum Thema Snapchat. Ich hatte auf dem Barcamp in Hamburg an einer Session teilgenommen, die Snapchat erklärte und währenddessen Snapchat aufgemacht und mich mit ein paar Leute „angefreundet“. Aber mir fehlte die konkrete Erfahrung: ich wollte es einfach ausprobieren. Dafür braucht man aber eine Gruppe Menschen, die sich nicht wundern wenn man ihnen sinnlose Privatnachrichten schickt – anders als Twitter ist Snapchat in erster Linie eine App in der Privatnachrichten in Form von selbstzerstörenden Bilder verschickt werden.

Die Session ist ganz toll gelaufen: ca. 8 Leute hatten auch Lust, einfach mal zu machen und glücklicherweise war eine Teilnehmerin da, die schon etwas Erfahrung mit Snapchat hatte und uns auf die Sprünge helfen konnte. Ziemlich schnell habe ich verstanden, was Filter, Sticker, Linsen, Geofilter und Discovery sind. Es blieb genug Zeit für eine Diskussion zum Medien-Verhalten von Jugendlichen (es waren nämlich auch Kinder dabei).

Andere Sessions

Die nächste Session war zum Thema „Programmiersprache Go“ von Martin Thielecke. Da habe ich nicht sooooo viel verstanden – relativ früh bin ich ausgestiegen weil es technisch sehr fortgeschritten war. Aber umso mehr Zeit zum Twittern.

Marco Maas in einem Video zum Thema Lean Startup

Marco Maas war auf dem Barcamp Lübeck 2016 ohne da zu sein. Das Video zum Thema Lean-Startup-Method

Nach der Mittagspause besuchte ich eine Session zum Thema Lean-Startup-Methode. Hier wurde uns ein Video über eine Reise auf die Lean-Startup-Konferenz gezeigt, wobei hier habe ich nicht so viel über das Thema gelernt habe ehrlich gesagt. Ein 1-3 minütiges Video hätte gereicht. Danach kam der richtige Einstieg ins Thema und, um es zusammenzufassen, ging es um ein Programm für Startups, die innerhalb 3 Monaten ein Proof-Of-Concept vorstellen mussten, nach weiteren 3 Monaten Kundenbefragungen und erste Auftragszusagen haben mussten und nach weiteren 3 Monaten auf den Markt gehen mussten. Diese hochgetaktete no-nonsense, kundennahe Entwicklung von einem „minimal viable product“ soll die Kosten gering halten.

Session-Ankündigung von @geregeltkrieger

Session-Ankündigung von @geregeltkrieger

Die letzte Session auf der ich war, wurde inspiriert durch Ralfs Vortrag vom Vortag: was ist ein CMS? Das Thema war ungefähr gleich wie Karen McCranes Vortag auf der DrupalCon 2013 aber hauptsächlich auf die Ausgabe von Websites bezogen.

Lübeck, Cloudsters, danke, bis bald

Cloudsters-Eingang in Lübeck

Cloudsters-Eingang in Lübeck

In den letzten Wochen ist mir erst klar geworden, wie einfach es ist nach Lübeck zu kommen. Tür zu Tür bin ich in weniger als 1,5 Stunden bei Cloudsters, das Coworking-Space wo das Barcamp stattgefunden hat. Es wäre für mich durchaus machbar, ab und zu mal dahin zu gehen zum arbeiten. Dadurch könnte ich mein Netzwerk erweitern und hoffentlich ein paar interessante Aufträge dabei akquirieren. (Muss ja sein!) Das tolle daran ist, dass man antizyklisch fährt: während die ganzen Pendler in vollen Zügen in die eine Richtung fahren, fahre ich in die andere Richtung und lese mein Buch in einem leeren Zug.

Vielen Dank and die großartigen Organisatoren und Sponsoren. Und bitte bitte nächstes Jahr wiederholen!